{"id":1954,"date":"2017-03-06T16:23:47","date_gmt":"2017-03-06T14:23:47","guid":{"rendered":"http:\/\/hannah-biedermann.de\/?page_id=1954"},"modified":"2017-03-06T16:23:47","modified_gmt":"2017-03-06T14:23:47","slug":"eindringliches-plaedoyer-fuer-solidaritaet","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/hannah-biedermann.de\/?page_id=1954","title":{"rendered":"Eindringliches Pl\u00e4doyer f\u00fcr Solidarit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Us-ko-ken, Us-ko-ken&#8221;, skandiert das Publikum am Ende. Angeheizt von Benjamin Dami und seinen drei Ensemblekollegen, die die Geschichte der &#8220;Roten Zora&#8221; temperamentvoll, mit unglaublicher Spiellust und in \u00fcberbordenden Bildern in der Werkstatt des Stadttheaters Ingolstadt lebendig werden lie\u00dfen.<\/p>\n<p>Zeit und Ort verschwimmen: Szene mit Benjamin Kneser, Michael Amelung, Benjamin Dami und Paula Gendrisch (von links). &#8211; Foto: Olah<br \/>\nHannah Biedermann hat aus Kurt Helds Jugendbuch von 1941, das l\u00e4ngst zum Welterfolg geriet, eine so kluge wie radikal gek\u00fcrzte Theaterfassung erstellt, in der Zeit und Ort verschwimmen: Aus dem kroatischen Senj wird eine namenlose Stadt wie jede andere. Irgendwo. Irgendwann. Hier leben Kinder am Rande der Gesellschaft. Obdachlose, entwurzelte Kinder. Ohne Eltern. Ohne Heimat. Sie bilden eine Notgemeinschaft, haben sich zur ber\u00fcchtigten Bande der Uskoken zusammengeschlossen, deren Anf\u00fchrerin die Rote Zora ist. Ihre Zuflucht ist eine Burgruine. Sie stehlen, um zu \u00fcberleben. Sie lieben ihre Freiheit. Sie \u00fcben die Rache der Gerechten. Sie k\u00e4mpfen gegen die M\u00e4chtigen &#8211; zusammen mit anderen, die sich nicht kleinkriegen lassen, etwa dem alten Fischer Gorian. Und am Ende? Ja, das ist der Clou in Hannah Biedermanns Version: W\u00e4hrend in Kurt Helds literarischer Vorlage die Kinder den Schaden, den sie angerichtet haben, wiedergutmachen, so der Strafe entkommen und jedes einen Platz in der Gesellschaft findet, der ihm zusagt, bleibt hier alles offen. Blackout w\u00e4hrend der Gerichtsverhandlung. Wie k\u00f6nnte, sollte, m\u00fcsste es weitergehen? Heute? Bei uns? Eine Aufforderung zum Weiterdenken.<br \/>\nUnd zum Denken gibt es hier jede Menge. Denn das St\u00fcck erz\u00e4hlt nicht nur davon, wie eine Gesellschaft funktioniert, welche Verantwortung sie gegen\u00fcber ihren Mitgliedern hat, sondern auch von den Mechanismen des Marktes, von der Macht der M\u00e4chtigen, von Manipulation und Gruppendynamik. Und es erz\u00e4hlt von Haltung, Mut, Rebellion. In erster Linie aber ist &#8220;Die Rote Zora&#8221; eine Abenteuergeschichte \u00fcber ein unerschrockenes M\u00e4dchen, das mit seiner Bande ein aufregendes Leben fernab von Schule, Tennisfreizeit und Chichi f\u00fchrt. Also perfekt f\u00fcr ein Publikum ab zehn Jahren.<br \/>\nHannah Biedermann macht daraus ein Theaterereignis. Gerade mal vier Schauspieler hat sie zur Verf\u00fcgung, die zwischen Erz\u00e4hl- und Dialogpassagen in unz\u00e4hlige Rollen schl\u00fcpfen, H\u00fchner fangen, aus Gef\u00e4ngnissen entwischen, Streit anzetteln, sich vielleicht verlieben, Ger\u00e4usche fabrizieren, die B\u00fchne umbauen. Und was f\u00fcr eine B\u00fchne! Mascha Mihoa Bischoff hat eine Art Installation aus gesch\u00e4tzt 300 Getr\u00e4nkekisten in die Werkstatt gebaut, die zu Mauern gestapelt werden, den Markt bilden, einen Ziegenstall, die Uskokenburg, als Lagerfeuer wie als Fangnetz und sogar als Rhythmusinstrument genutzt werden. Was f\u00fcr ein Kraftakt f\u00fcr Paula Gendrisch, Michael Amelung, Benjamin Kneser und Benjamin Dami! Hinrei\u00dfend ist das, wie sie die rasend schnellen Umz\u00fcge bew\u00e4ltigen (trotz der T\u00fccken der Kost\u00fcme und Per\u00fccken). Beeindruckend das Maskenspiel (die Obrigkeiten der Stadt werden durch goldene Masken mit harten Z\u00fcgen dargestellt, die feigen Gymnasiasten-S\u00f6hnchen mit wei\u00dfen, anonymen Pappgesichtern). Actionreich die wilde Tragerl-Hatz. Herzergreifend die Unbehaustheit der Kinder. Dazu die Soundmaschine, das chorische Sprechen, die anmutig choreografierten Szenen zu Wasser und zu Land. Das ist oft knapp skizziert, aber mit Witz und Fantasie gemacht. Sehr spielerisch. Mit kecker Leichtigkeit und flirrender Fabulierlust. Auch mit gro\u00dfer Musikalit\u00e4t (Matthias Meyer). Hannah Biedermanns Inszenierung ist kindgerecht, aber nie oberfl\u00e4chlich. Nach gut 70 Minuten gibt es daf\u00fcr gro\u00dfen Applaus.<br \/>\n&#8220;Die Rote Zora&#8221; ist ein leidenschaftliches Pl\u00e4doyer gegen Ausgrenzung und f\u00fcr Solidarit\u00e4t. Und unbedingt sehenswert!<\/p>\n<p><strong>Anja Witzke, Donaukurier, 6.3.2017<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Us-ko-ken, Us-ko-ken&#8221;, skandiert das Publikum am Ende. Angeheizt von Benjamin Dami und seinen drei Ensemblekollegen, die die Geschichte der &#8220;Roten Zora&#8221; temperamentvoll, mit unglaublicher Spiellust und in \u00fcberbordenden Bildern in der Werkstatt des Stadttheaters Ingolstadt lebendig werden lie\u00dfen. 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